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12.06.2018

Nach 75 Jahren Feldpost aus Russland

Am 21. Februar 1943 schreibt Eugen Halbach seiner Frau Else einen Brief nach Hause in die Flörsheimer Eisenbahnstraße: „Daumen drücken, vielleicht haben wir Glück, dass wir aus Russland raus kommen.

Wir wollen heim ins Reich!“, drückt der als Grenadier in Reihen der deutschen Wehrmacht in den Zweiten Weltkrieg geschickte 34 Jahre alte Vater einer siebenjährigen Tochter in dem Feldpostbrief seine Hoffnung auf eine wohlbehaltene Heimkehr aus. Anfang März 1943 besucht seine Tochter Irmgard seit einem guten halben Jahr die Schule – lange genug, um zum ersten Mal in ihrem Leben eigenhändig einen Brief zu schreiben: „Lieber Papa, auch ich will Dir einige Grüße senden von der Heimat.“ Der liebevolle Brief der Tochter hat den Vater nicht mehr erreicht, der Umschlag trägt den Stempel „Zurück an Absender“. Am frühen Morgen des 20. März 1943 erlag Eugen Halbach einer schweren Bauchverletzung. Auf dem Soldatenfriedhof Shatomlja wurde er begraben.

75 Jahre nach diesem tragischen Geschehen wurde Flörsheims Bürgermeister Michael Antenbrink ein kleines Bündel Briefe übergeben mit der Bitte, die Schriftstücke wenn möglich den Nachkommen der Adressaten zukommen zu lassen. Neben den eingangs erwähnten beiden Briefen befinden sich in dem Bündel unter anderem ein handschriftlich verfasstes Schreiben jenes Oberstabsarztes, der auf dem Hauptverbandsplatz vergeblich versucht hatte, Eugen Halbach das Leben zu erhalten. Dieser Brief ist offenbar die offizielle Todesnachricht gewesen, jedenfalls ist er auf dem Flörsheimer Bürgermeisteramt mit Schreibmaschine abgetippt und die Abschrift mit dem Dienstsiegel amtlich beglaubigt worden.

Eine Recherche in den alten Einwohnermeldeakten der Stadt Flörsheim am Main ergab, dass Eugen Halbachs Tochter Irmgard im Jahr 1960 – inzwischen verheiratet – nach Michelstadt im Odenwald verzogen ist. Dort lebt Irmgard Reinhold heute noch und empfing in der vergangenen Woche Bürgermeister Michael Antenbrink zu Besuch, der gekommen war, um ihr die alten Briefe und Dokumente persönlich auszuhändigen.

„Ich habe mich sehr darüber gefreut, die Briefe zu erhalten. Bislang wusste ich nicht, wo mein Vater begraben wurde“, sagt Irmgard Reinhold. Lediglich eine Fotografie von dem Soldatengrab sei der Familie damals von der Armee zugesendet worden. Wie die Unterlagen, von deren Existenz sie nichts gewusst hat, zwischenzeitlich in fremden Besitz gelangt waren, ist ihr nicht erklärlich. Umso mehr ist sie froh, die Briefe nun in Händen halten und dem Familienarchiv zufügen zu können.

„Ich freue mich, dass die Schriftstücke, die ein trauriges und leider gar nicht seltenes Schicksal jener Zeit auf eindrucksvolle und bewegende Weise dokumentieren, nach so langer Zeit doch noch den Weg dorthin gefunden haben, wohin sie gehören“, sagt Bürgermeister Antenbrink.