Die Malerfamilie Schütz
Über die Familie Schütz und ihre Verwandten im Umfeld von Flörsheim am Main ist relativ wenig bekannt. Der erste in Flörsheim am Main nachgewiesene Schütz ist der aus dem Eichsfeld zugewanderte Caspar Schütz (filius Adami ex Eichsfeld), jedoch ohne Alters- oder nähere Herkunftsbezeichnung.
Berühmt geworden sind allerdings erst seine Nachfahren. Der Maler Christian Georg Schütz "der Ältere" (1718 - 1791), Christian Georg Schütz "der Vetter" (1758 - 1823), Franz Schütz (1751 - 1781), Johann Georg Schütz, genannt "Römer Schütz" (1755 - 1813), Heinrich Josef Schütz "der Londoner" (1760 - 1822), und die Landschaftsmalerin Philippine Maria Schütz (1767 - 1797).
Christian Georg Schütz I "der Ältere" (1718 - 1791)
Portrait des
Christian Georg Schütz d.Ä.
Emanuel Handmann,
lt. Signatur 1762
Historisches Museum
Frankfurt B 379
Christian Georg Schütz "der Ältere" wird am 24. September 1718 in Flörsheim am Main als viertes von fünf Kindern des Acker- und Weinbauern Johannes Schütz und seiner Ehefrau Dorothea geb. Breckheimer geboren. Im Alter von 13 Jahren kommt der Junge zu dem damals vielbeschäftigten "Fasadenmaler und Lakierer" Hugo Schlegel in die Lehre. Außer Schütz hat Schlegel auch Justus Juncker und Georg Trautmann als Lehrling. Später gehören alle drei zur Gruppe der einheimischen Maler, deren Bilder der Kaiserliche Rat Johann Caspar Goethe den Vorzug gibt. Nach Beendigung seiner Lehrzeit geht Christian Georg Schütz, wie es nach damaligem Brauch üblich war, auf die Wanderschaft. In Saarbrücken macht er Bekanntschaft mit dem Geschichtsmaler Appiani. Dieser nimmt Schütz mit nach Mainz, um die Decke der Jesuitenkirche auszumalen. 1743 kehrt Schütz nach Frankfurt zurück und ehelicht am 8. Januar 1744 Anna Maria Hochecker. Diese verstirbt allerdings zwölf Jahre später und hinterläßt zwei unmündige Kinder, die Söhne Franz und Johann Georg („Römer-Schütz"). Durch die Hochzeit mit Anna Maria Hochecker kommt der Künstler in den Beisassenschutz der Stadt Frankfurt und gelangt schnell zu Ruhm und Ansehen.
Sogar Herzog Christian IV. von Zweibrücken hat bei seinem Frankfurt-Aufenthalt anläßlich der Krönung Kaiser Josephs II. mit Eifer den berühmten Landschaftsmaler aufgesucht und seine Kunst bewundert. 1759 heiratet Schütz in der Frankfurter Kirche St. Bartholomäus zum zweiten Mal. Aus der Ehe mit der aus Miltenberg am Main stammenden Maria Barbara Josepha Kittner gehen ebenfalls zwei Kinder hervor: Sohn Heinrich Josef („der Londoner") und die Tochter Philippine Maria. 1777 malt Schütz Senior für die St. Gallus-Kirche seiner Heimatgemeinde Flörsheim ein Altarbild und die Bilder der beiden Nebenaltäre in Öl. Zu dieser Zeit gilt Christian Georg Schütz weit über Frankfurts Grenzen hinaus als Repräsentant der Frankfurter Landschaftsmalerei des 18. Jahrhunderts. Christian Georg Schütz I "der Ältere" stirbt am 3. Dezember 1791 in Frankfurt und wird am 6. Dezember 1791 am Kreuzgang des dortigen Dominikanerklosters beigesetzt.
Christian Georg Schütz II "der Vetter" (1758 - 1823)
Christian Georg Schütz II wird am 3.September 1758 in Flörsheim als achtes von neun Kindern des Acker- und Weinbauern Johann(es Peter) Schütz und seiner Ehefrau Maria Barbara geboren. Der Vetter ist der einzige der Familie, der eine Autobiographie hinterläßt, weshalb man seinen Lebensweg besser verfolgen kann, als den seiner meisten Verwandten. Er nennt seine Autobiographie "Umriß meines Lebens". Darin schreibt er, dass er von Herrn Christian Georg Schütz zur Taufe gebracht worden sei und dieser sich außerdem, nach dem Tod des Vaters, seiner Entwicklung zum Künstler annimmt. In den Jahren nach 1780 wird jeweils zur Sommerzeit der Taunus durchstreift, und in Oberursel, Kronberg, Königsstein oder Eppstein entstehen viele Studien.
Im Jahr 1800 geht Schütz nach Eisenach, um dort Ansichten (sog. Veduten) zu malen, danach reist er nach Weimar, wo er sogar Goethe und Frau von Stein vorgestellt wird. 1815 rühmt Goethe in "Kunst und Altertum" die Blätter des Christian Georg Schütz in Gouache und Sepia :"Sie sind von bewunderswürdiger Reinheit; die Darstellung der Rheinufer sei so getreu wie anmutig, und das Gefühl, da den Rheinfahrenden ergreife, werde bei Betrachtung der Bilder mitgeteilt oder wiedererweckt".
Bis an sein Lebensende vergißt Christian Georg Schütz II seinen Geburtsort Flörsheim nicht. Bis zuletzt behält er einen Teil seines väterlichen Erbes an Haus- und Weinbergen, obgleich die ansehnlichen Bau- und Kriegskosten oft den geringen Ertrag verzehren. Christian Georg Schütz II stirbt am 10. April 1823 im Alter von 65 Jahren in Frankfurt am Main im Wohnsitz der Familie, dem Arnsburger Hof in der Predigergasse, und wird zwei Tage später beerdigt.
Franz Schütz (1751 - 1781)
Franz Schütz wird als erster Sohn von Christian Georg Schütz I "dem Älteren" und seiner Ehefrau Anna Maria am 15. Dezember 1751 in Frankfurt am Main geboren.
Gwinner schreibt später in "Kunst und Künstler in Frankfurt am Main über Franz Schütz: "Ihm würde ohne Zweifel die erste Stelle unter allen Gliedern dieser Familie gebühren, wenn Genialität und angeborenes Talent allein Künstler machten. Aber sein Geist war zu ungeordnet, sein Charakter zu haltlos, als daß aus dem Kunstgenie ein harmonisch gebildeter Künstler hätte werden können".
Franz zeichnet und komponiert mit außerordentlicher Leichtigkeit und ist fast unerschöpflich an Ideen. Oft ist es zweifelhaft, ob er nicht eher Musiker denn Maler sei. Er spielt meisterlich Violine, hat aber für den Wert des Geldes keinen Begriff. Wenn er Geld hat, opfert er dies und den größten Teil seiner Zeit seiner unangemessenen Liebe zur Musik, zum Wein, zu endlosen Mahlzeiten und lustigen Gesellschaften. Er wird Opfer der Schwindsucht. Er lehnt ärztliche Hilfe ab, und so ereilt ihn im noch nicht vollendeten 30. Lebensjahr der Tod. Er erliegt der Schwindsucht am 14. Mai 1781 in Genf. Burckhard, sein ihm bis zuletzt treu gebliebener Freund, läßt ihn in der Katholischen Gemeinde Saconnex auf französischem Gebiet beerdigen. Er bezahlt zudem alle seine Schulden und Verbindlichkeiten, behält dafür aber seine Hinterlassenschaft an Zeichnungen und Bildern.
Johann Georg Schütz "Römer-Schütz" (1755 - 1813)
Johann Georg Schütz wird am 16. Mai 1755 als zweiter Sohn des Christian Georg Schütz I "dem Älteren" und seiner Ehefrau Anna Maria in Frankfurt am Main geboren und am 19. Mai in der Frankfurter Kirche St. Bartholomäus getauft.
Johann Georg wird zunächst von seinem Vater unterrichtet. Von 1776 bis 1779 studiert er auf der Malerakademie in Düsseldorf, verweilt dann längere Zeit bei seinem Vater in Frankfurt und reist 1784 nach Rom, wo er die nächsten sechs Jahre lebt und arbeitet. Nach diesem Aufenthalt erhält er den Beinamen "Römer-Schütz". Er wohnt in Wilhelm Tischbeins Haus an der Via del Corso. 1786 stößt auch Johann Wolfgang Goethe zu diesem Kreis und nimmt dort Wohnung. Goethe übt auf Schütz einen mächtigen Einfluß aus. Schütz´ Verdienste sind allgemein anerkannt und werden auch von Goethe später in dem Werk "Winkelmann und sein Jahrhundert" gewürdigt. Einen weiteren Gönner findet Schütz in dem Sohn der Dichterin Sophi La Roche, dem Oheim der Bettina von Arnim. Er nimmt Schütz 1790 mit sich in die Heimat zurück, räumt dem Maler in seinem Haus in Offenbach am Main mehrere Zimmer ein und fördert durch Gewährung einer gesicherten Lage die unbeengte Ausübung seiner Kunst als Radierer und Historienmaler. Schütz mal vorwiegend historische Gegenstände, Genrestücke, aber auch Portraits und Landschaften.
Am 21. Oktober 1798 heiratet Johann Georg Schütz in Flörsheim Maria Thekla Würdtwein aus Walldürn (Baden), die Schwester des Flörsheimer Pfarrers. Fünf Jahre später, am 16. April 1803 wird ihm in Frankfurt der einzige Sohn geboren, Christian Georg III. "der Jüngere". Der Sohn, der als Maler ein vielversprechendes Talent zu werden verspricht, stirbt 13. Mai1821 bereits im Alter von 18 Jahren an der Schwindsucht. Wie sein Sohn und sein Bruder Franz erliegt auch Johann Georg Schütz der Schwindsucht und stirbt am 11. Mai 1813 in Frankfurt am Main. Sein Grab und das seines Sohnes sind bislang unbekannt.
Heinrich Josef Schütz "der Londoner" (1760 - 1822)
Heinrich Josef Schütz wird als ältester Sohn zweiter Ehe von Christian Georg Schütz I "dem Älteren" und der Miltenberger Ratsherren- und Kaufmannstochter Maria Barbara Josepha am 17. September 1760 in Frankfurt am Main geboren.
Die Quellen über sein Leben sind nur dürftig. Er soll nach Willen des Vaters Kaufmann werden, wendet sich aber später der Kunst zu. Gelernt hat er beim Kupferstecher und Verleger J.G. Prestel. Er arbeitet vor allem in der Technik der Aquatinta arbeitet er von 1792 bis 1798 in London bei Stadler und Ackermann. Seit dieser Zeit trägt er den Beinamen "der Londoner". Er bleibt unverheiratet und stirbt am 2. Juli 1822 im Alter von 62 Jahren im Bürgerhospital an einem Lungenleiden. Sein Grab ist ebenfalls unbekannt.
Philippine Maria Schütz (1767-1797)
Philippine Maria Schütz wird am 20. November 1767 als einzige Tochter zweiter Ehe des Christian Georg Schütz I "des Älteren" und seiner Ehefrau Maria Barbara Josepha geboren. Der Geburtsort ist leider unbekannt. Bedauerlicherweise sind die Quellen über ihr Leben noch dürftiger als bei ihrem Bruder Heinrich Josef.
Gwinner schreibt in "Kunst und Künstler in Frankfurt am Main" über Philippine Maria:
"Nachdem sie den ersten Unterricht von ihrem Vater erhalten hatte, studierte sie dann nach Ruisdal und Anton Waterloo und entwickelte sich als geschickte Landschaftsmalerin und Kopistin der alten Niederländer. Ihre in Öl gemalten Landschaften sind Zeugen ihres Talents und ersten Strebens".
Im Alter von 30 Jahren erliegt Philippine Maria an der "Auszehrung". Zwei Tage nach ihrem Tod am 25. September 1797 wird sie am Kreuzgang des Dominikanerklosters in Frankfurt beerdigt.