11.03.2010
Neue Ausbaulüge aufgeflogen: Keine Südumfliegung vor 2020
„Jetzt ist die Katze doch noch aus dem Sack!“ Mit deutlicher Empörung reagiert der Flörsheimer Bürgermeister Michael Antenbrink auf die Äußerungen eines Vertreters der Deutschen Flugsicherung (DFS) im Rahmen der gestrigen Mitgliederversammlung der Kommunalen Arbeitsgemeinschaft Flughafen Frankfurt/Main im Landratsamt Groß-Gerau.
Michael Kraft, Leiter Optimierung und Ausbau Flughafen Frankfurt der DFS in Langen, hatte erklärt, dass die als „Südumfliegung“ bezeichneten Abflugrouten nicht vor dem Jahr 2020 geflogen werden.
„Damit ist die Schönrechnerei der Fraport im Hinblick auf die Lärmbelastung im Westen des Frankfurter Flughafens nun endgültig entlarvt“, folgert Bürgermeister Antenbrink. „Jetzt ist endlich heraus, was wir alle in Flörsheim am Main und die übrigen Kommunen im Westen befürchtet haben. Wir müssen nicht nur den zusätzlichen Lärm der neuen Landebahn Nordwest ertragen, sondern dürfen auch weiterhin und für alle Zeit mit dem Lärm der in Richtung Norden und Nordwesten startenden Flugzeuge leben“, schildert Antenbrink die Auswirkungen dieser schon lange erwarteten Richtigstellung der DFS.
Nach den Angaben der Fraport AG als Antragsteller für den Ausbau des Frankfurter Flughafens und den Begründungen des Planfeststellungsbeschlusses vom 18. Dezember 2007 sollte durch den Ausbau eine dramatische Umverteilung der Flugbewegungen bei Betriebsrichtung 25, also der Abflugrichtung Westen, erfolgen. So sollten diejenigen Starts, die derzeit über Flörsheim am Main, Hattersheim und Hochheim im Nordwestquadranten des Flughafens abgewickelt werden, im Ausbaufall nach Süden abdrehen und über die so genannte Südumfliegung Mainz und Wiesbaden großräumig umgehen. Erst nach diesem Umweg sollten die Flugzeuge in Richtung Norden oder Westen weiterfliegen. Diese Annahme ist in alle Lärmprognosen eingeflossen und hatte der Fraport AG sowie der Planfeststellungsbehörde als Grundlage für Ihre immer wieder kritisierte Behauptung gedient, dass es in Flörsheim, Hochheim und Hattersheim nach dem Ausbau eine deutlich geringere Fluglärmbelastung geben würde.
Die vor dem Hessischen Verwaltungsgerichtshof in Kassel klagenden Kommunen der Mainschiene hatten immer wieder mit Gutachten begründet vorgetragen, dass die Annahmen zur zukünftigen Verteilung der Flugbewegungen im Nordwestquadranten auf unrealistischen Annahmen beruhen, nicht umgesetzt werden oder nicht umsetzbar sind. Dessen ungeachtet hatte der Hessische Verwaltungsgerichtshof noch in seiner Urteilsbegründung vom 21. August 2009 erklärt, dass für die Behauptung, die DFS wolle in Wirklichkeit ein ganz anderes als das der Planfeststellung zugrunde gelegte Betriebskonzept verwirklichen, ein hinreichender tatsächlicher Anhaltspunkt fehle.
Nach den gestrigen Ausführungen des DFS-Mitarbeiters Michael Kraft sind die bisherigen Lärmprognosen für die südwestlich, westlich und nördlich des Flughafens gelegenen Kommunen wertlos geworden. Flörsheims Bürgermeister fordert deshalb eine sofortige prüffähige Neuberechnung der wirklichen Lärmbelastung nach dem Ausbau des Frankfurter Flughafens. „Wo schon kein Vertrauen mehr gewesen ist, kann auch kein Vertrauen verloren gehen. Aber diesen skandalösen Umgang mit der Wahrheit, den die Fraport AG und die Planfeststellungsbehörde im Hessischen Wirtschaftsministerium nun schon seit Jahren betreiben, muss man öffentlich machen. Was soll man denn in dieser Situation noch anderes fordern als einen sofortigen Baustopp?“, fragt sich Michael Antenbrink.